Da dreht sich was

30.11.2018

Spielen und Lernen werden oft als komplementär verstanden. Dass das ein Irrtum ist, beweist Timo Reuter von der Uni Koblenz-Landau. In einem Vortrag an der PHSH zeigte er anhand seiner Forschung mit Zahnrädern eindrücklich, wie viel Lernpotenzial im Spiel steckt.

«Da dreht sich was: Zahnräder» heisst der Titel von Reuters Projekt. Mit diesem will er herausfinden, welche Vorstellungen Kindergartenkinder und Primarschüler/-innen von Drehrichtung und Drehgeschwindigkeit bei Zahnrädern haben. Darüber hinaus interessiert ihn aber auch, inwiefern im frühen Alter schon Denk-, Arbeits- und Handlungswissen da sind, die so genannten «Habits of mind».

«Habits of mind»

Die Resultate des Projekts offenbaren, dass im Bereich Drehrichtung ein sprunghafter Anstieg des Wissens zwischen dem Kindergarten und der 1. Klasse passiert. Im Bereich Geschwindigkeit dagegen ist der grosse Wissenszuwachs erst nach der 4. Klasse zu verzeichnen.

Um die «Habits of mind» zu ergründen, wurden Kindergartenkindern Konstruktionsaufgaben gestellt. Auch hier wurde wieder unterschieden zwischen Aufgaben zu Drehrichtung und solchen zu Drehgeschwindigkeit. Daraus leiteten Reuter und sein Team dann ab, inwieweit die Kinder fähig waren, ein Problem zu identifizieren, eine Lösung zu entwickeln und schliesslich etwas zu konstruieren. «Man kann die Habits of mind erkennen, ohne dass den Kindern vorher das Inhaltswissen vermittelt wurde», so Reuter.

«Guided play»

Methodisch vertraut Reuter auf das «guided play»: das gelenkte Spiel. Damit ist eine Lernumgebung gemeint, welche in einem bestimmten Mass vorstrukturiert ist. Diese Lernumgebung soll die Kinder nicht zuletzt auch motivieren. Je nach Grad der Strukturierung sollten die Kinder explorieren (1), experimentieren (2), versuchen (3) oder laborieren (4). 

Reuter zeigte schlüssig auf, dass das «guided play» die Kinder beim frühen technischen Lernen unterstützt und zwar signifikant stärker als Kinder, welche frei spielen. Überraschenderweise spielt der Grad der Vorstrukturierung offenbar keine Rolle. 

Lustvoll und kindgesteuert

Stellt sich die Frage, was Spiel überhaupt ist. Reuter verweist auf die Definition von Jennifer Zosh. Demnach ist Spiel zweckfrei, lustvoll, freiwillig, nicht realitätsgebunden und kindgesteuert. Reuter: «Wir müssen Spiel als ein Spektrum begreifen, bei dem nicht immer alle Kriterien erfüllt sind.»

Fotos/Text: Thomas Meier