Leben 2.0 - jenseits von Gut und Böse?

19.11.2018

Die Projekttage 2018 waren der digitalen Welt gewidmet. In Erfahrungs- und Denkräumen tauchten die Teilnehmenden ein in die Geheimnisse von Youtube, Facebook, Instalife und Challenges. Ein Bericht des Projektbeobachters.

Die Projekttage Mitte November sind an der PHSH mittlerweile ein fixer Programmpunkt während des Herbstsemesters. Die ganze Hochschule taucht in ein Thema ein, leuchtet es aus, verinnerlicht es. Das war auch dieses Jahr der Fall. Vorbereitet wie immer durch ein Projektteam, wurden die Schulräume umgekrempelt, entrümpelt, jedenfalls angepasst. Beobachtet wurden die Aktivitäten, die sich da entfalteten, von einem Projektbeobachter. Und dieser war – wie stets – der Rektor. Seine Gedanken zu den Projekttagen seien hier im Wortlaut wiedergegeben:

«Erinnern wir uns, wie die Projekttage begonnen haben – gestern 08.15 Uhr. Warten, vor der Tür. Ich fühlte mich an Weihnachten erinnert bei meinen Grosseltern. Da warteten wir jeweils vor der Stube, bis das Christkind das Glöcklein läutete und dann öffnete so die Tür.

So etwa war das gestern, von festlich gekleideten Menschen wurden wir begrüsst, Eintreten in eine feierliche Atmosphäre.

Dann sahen wir Bilder, wenige, bewusst gesetzt, wenige Worte, musikalisch einfühlsam untermalt. Welches dieser Bilder taucht jetzt in der Erinnerung auf?

Am Schluss der Satz: «Was haben wir nur getan?» Das tönte eher kulturpessimistisch, als hätte die Menschheit die Büchse der Pandora geöffnet. Sollte das die Botschaft werden? Das ging mir durch den Kopf.

Rückblende: Als wir das Thema festlegten, haben wir gesagt: Das ist sicher ein Thema, das junge Männer ansprechen wird. Die Projektausschreibung im Januar 2018 hiess auch etwas anders: «Schule 2.0 – die virtuelle Welt im Klassenzimmer».

Es kam anders: Gemeldet haben sich neun Frauen, und die haben das Thema sehr schnell zu ihrem gemacht. Aus Schule 2.0 wurde Leben 2.0, aus «Die virtuelle Welt im Klassenzimmer» wurde «Jenseits von Gut und Böse».

Aufgetreten sind diese Frauen als Ladys in «black and white». Und sie haben das Heft in die Hände genommen. Das hat überzeugt: engagierte, motivierte und hoch professionelle Moderatorinnen, die eine Welt geöffnet haben, mit der sie sich intensiv befasst haben. Befassen hiess für sie auch Erfahrungen machen: die Entstehung von Youtube mit einem eigenen Film darstellen, Menschen befragen und auf Video dokumentieren, Instalife ausprobieren und sich als Influencer in Szene setzen, bis hin zu, dass auf Facebook ein attraktiver junger Mann auftaucht, der sich um Kontakte zu PH-Studierenden bemüht und sich gestern dann als Fake-Profil geoutet hat.

Das ist stark: Das ist Leben 2.0 aus erster Hand. Kulturpessimismus? Kaum – im Vordergrund standen Faszination und auch Spass.

Liebes Team Projekttage 2018, ihr habt uns Räume eröffnet.

Zuerst ganz konkret. Ich war sehr angetan davon, wie ihr die Räume der PH zu Erfahrungsräumen umgestaltet habt. Im A01 entstanden Internetnischen und sofort stellte sich diese Atmosphäre ein. Jeder Raum hatte seine eigene, sorgfältig gestaltete Ausstrahlung und stimmte auf das Thema ein. Wir erlebten auch einen Raum, in dem gar nichts mehr war. Der Raum erschien sofort grösser, alle drängten sich an den Rand, der Raum blieb leer und Leere war dann 20 Minuten lang Thema.

Liebe Ladys in «black and white», ihr habt uns Einblick gegeben in die Welt der Influencer, ihr habt uns gezeigt, wie gläsern wir sind, ihr habt Youtube als faszinierende Plattform erlebbar gemacht, ihr habt uns vor Augen geführt, wie Menschen Challenges suchen und welchen Widerhall dies in den sozialen Netzwerken findet.

Ich weiss nicht oder noch nicht, wie das für Ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen war, mich, als digitalen Immigranten, haben Sie gepackt.

Dafür möchte ich Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen.

Ich habe eure Botschaft verstanden:

Leben 2.0 – jenseits von Gut und Böse.

Genau so ist es. Leben 2.0 ist weder gut noch böse – aber es wird gut, wenn wir es zur Kommunikation, zu Spass und menschlicher Entwicklung nutzen und es wird böse, wenn wir zulassen, dass sich Verletzendes, Entwürdigendes und Entmächtigendes ungehindert Raum verschaffen kann.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Bettina Waldvogel. Liebe Bettina, du hast das Thema lanciert und die Projektbegleitung übernommen. Es wird uns Ansporn und Inspiration für die Projekttage 2019 sein, zusammen mit den H18ern.

Ich hoffe, dass wir eine Konstante beibehalten können. Das ist Jürg Schneckenburger. Deine Handschrift, deine Sorgfalt und deine Inszenierungsprofessionalität sind Markenzeichen.

Ich bedanke mich bei Joscha Schraff für sein grossartiges Mitwirken.

Ich bedanke mich bei den Ladys. Ihr wolltet, dass wir am Boden sitzen. vielleicht auch deshalb, weil ihr uns vom Sockel gehauen habt.»

Fotos: Lizzi Wirz.