Clevere Aufgaben

14.08.2017

Kern des kompetenzorientierten Unterrichts sind lernförderliche Aufgaben. Sie sind zentral für die Steuerung des Lernprozesses. Mit dieser Thematik hat sich eine Tagung an der PHSH beschäftigt. Sie stiess auf breite Resonanz.

Was sind das für «clevere Aufgaben», die der Tagung den Titel gaben? Intelligenzforscherin Elsbeth Stern von der Uni Zürich meint dazu, gute Aufgaben seien solche, welche die Lernenden dazu animierten, Konzepte zu entwickeln. Das ist weit weg vom reinen Üben oder Prüfen, die in der Praxis oft den Grossteil des Unterrichts ausmachen. PHSH-Forschungsleiter Markus Kübler, der das Eröffnungsreferat hielt, betitelte dieses denn auch mit «Denkarbeit statt Beschäftigung». Die Schüler/-innen sollen nicht einfach schematisch den Wasserkreislauf verinnerlichen, sondern sollen sich fragen: «Wie kommt das verflixte Wasser wieder hinauf in den Himmel?»

Anspruchsvolle Gütekriterien

Kübler unterschied Lernaufgaben von Leistungsaufgaben und definierte Erstere als «Träger von Lerngelegenheiten». «Clevere Aufgaben» seien es dann, wenn Kinder einen Bezug zu ihnen hätten; wenn sie bei den Präkonzepten der Kinder ansetzten; wenn sie die Lernenden aktivierten; wenn sie Differenzierungen ermöglichten; wenn sie den Lernprozess durch eine zielorientierte Abfolge steuerten. Und nicht zuletzt: wenn sie durch die Lehrperson in eine förderliche Atmosphäre eingebettet seien. Fürwahr eine anspruchsvolle Liste von Gütekriterien!

Das zweite Inputreferat hielt Herbert Luthiger von der PH Luzern. Er führte in ein Lernprozessmodell ein, anhand von dem mit «Konfrontationsaufgaben», «Erarbeitungsaufgaben», «Vertiefungsaufgaben», «Übungsaufgaben», «Syntheseaufgaben» und «Transferaufgaben» ein kompletter Lernprozess angeleitet werden kann. Alle diese Aufgabenarten wurden von ihm mit Beispielen erläutert. Abgerundet wurde sein Referat durch eine Einführung in ein wissenschaftliches Kategoriensystem zur Analyse von kompetenzorientierten Aufgabensets. Er zeigte auf, wie diese mit den Kategorien «Authentizität», «Kognition», «Komplexität» und «Differenzierung» unterschieden werden können.

Die Workshops («Aufgabenlabore») waren in den Fachbereichen Sport, Natur/Mensch/Gesellschaft, Musik und Mathematik/Informatik angesiedelt. «Geschichte und Physik fast ohne Papier» hiess etwa ein Thema (Jasmina Hugi). Ein anderer Workshop trug den Titel «Sport bleibt Sport» (Kathrin Meyer). Derweil beschäftigte sich Gabriela Reiner beispielsweise mit «Zahl und Variable im 1. Zyklus» und Gerhard Stamm förderte die sechs Kompetenzbereiche, die sich «in einem Liedchen verstecken», zutage.

Aktivierung der Teilnehmenden

Im Rahmenprogramm sorgte PHSH-Dozentin Sabrina Hafen dafür, dass die Teilnehmenden mit einem Line-Dance auf Trab gehalten wurden. Die schwungvolle Darbietung am Ende der Tagung erntete begeisterten Applaus.

PHSH-Rektor Thomas Meinen schliesslich würdigte als Beobachter die Essenz der Tagung. Er sprach davon, dass «clevere Aufgaben» als Schlüssel zu kompetenzorientiertem Unterricht nicht identisch mit einem Passepartout seien. Vielmehr seien sie Einzelschlüssel, welche ganz spezifische und individuelle Zugänge ermöglichten. Er verdankte die Arbeit der Organisatoren/-innen, welche die Tagung ermöglicht hatten. Prorektorin Hanja Hansen wurde für die Gesamtleitung der Tagung geehrt. Vera Ulmer hielt die logistischen Fäden in der Hand, und Armin Sehrer vertrat das Programmkomitee.   

Fotos: Armin Sehrer.